Tatsache!

von 2bd am 14. Januar 2019

Hiermit verweise ich auf einen Artikel in diesem Forum, denn ich vor gut 5 Jahren verfasst habe. Es handelt sich dabei um eine Zusammenfassung einer grösseren Anzahl von Beiträgen zum Thema ‘tiefes, strukturelles Lernen – wie funktioniert das wirklich?’
Die Beschreibung, wie tiefes, strukturelles Lernen – VAT+ – tatsächlich funktioniert, findet sich in Kurzform auch im Buch HOMO CAPUT (S. 289f) sowie im Buch «Die Quintessenz» (S. 167f).

Da erinnere ich mich gut, die zwei bedeutendsten Bücher aus der Zeit, als ich erwachsen wurde, waren A.S. Neill’s Summerhill sowie Arno Placks Die Gesellschaft und das Böse. Einiges später begleiteten mich dann die ‘Drehbücher’ Ron Smothermons während manchen Jahren durchs Leben. Der Lektüre jener Bücher und manch anderer gemeinsam waren intensive Lernschübe, Erkenntnissprünge, tiefe Betroffenheit u.ä. bei mir. Nein: in mir! Ähnlich erging es mir mit tiefen emotionalen Erfahrungen in meiner eigenen Psychotherapie. Da ich in der Regel offen und bereit war und bin für Konsequenzen, merkte ich lange gar nicht, was es mit solchen Erfahrungen tatsächlich auf sich hat. Die Konsequenzen im Handeln verstärkten und verlängerten bloss meine Illusion, dass ich ‘es’ mit diesen Intensiverfahrungen jeweils begriffen hätte.

Nicht die Bohne! Erst mit fortgeschrittener Therapieerfahrung, kombiniert mit diversen Ausbildungen, plus der allmählichen Entwicklung eines eigenen Lernsystems (3×3 PowerSystem) wurde meine Wahrnehmung diesbezüglich wirklich kritisch. Zunehmend ernüchtert stellte ich fest, dass jenen Erleuchtungen, ja, selbst den emotionalen Erfahrungen jegliche Nachhaltigkeit fehlte. Ich löste mich ent-täuscht aus der Illusion und begann diesbezüglich ernsthaft zu reflektieren, erweiterte so sukzessive meine Wahrnehmung. Da ich bereits eine eigene Praxis für Psychotherapie führte, hatte ich zusätzlich ausreichend Gelegenheit, die Wirkung solcher – ja, ich sags jetzt: Initialerfahrungen auch bei andern zu überprüfen. Was mich wiederum auch bezüglich der Wirkung meiner therapeutischen Arbeit ernüchterte.
Nun ja, schlussendlich waren solche Erfahrungen genau der Ansporn, um weiter zu gehen, immer weiter; meine Ansprüche hoch zu halten, und schliesslich zu lernen, was es braucht, um im strukturellen Bereich tatsächlich, umfassend und nachhaltig zu lernen. Als ich das raus hatte, breitete sich eine ungeheure Entlastung aus. Nicht nur bei mir, sondern ebenso in den Menschen, mit denen ich unterwegs war; beruflich wie privat. Ab da konnten solche Initialerfahrungen angemessen wertgeschätzt werden, ohne sich darauf in fatale Illusionen zu verstricken; was leider überall in der Menschenwelt milliardenfach praktiziert wird, in Ermangelung des Wissens um die wahren Lerumstände. Solches gehört eben zur Doppelwertigkeit des Bewusstseins, wie wir Menschen es entwickelt haben, und wie ich das auch in den oben genannten Büchern über die Beschreibung des strukturellen Lernens hinaus ausführe.

VAT also, mit einem ‘+’ dahinter. An dieser Stelle erläutere ich nur die Begriffe, damit du rein sprachlich gewahr wirst, wovon ich rede.

  1. V = Vorankündigung -> eine Initialerfahrung

  2. A = Ankündigung -> das allmähliche Einverleiben einer solchen Erfahrung durch illusionsloses konsequentes ‘dran Bleiben‘

  3. T = Tatsache -> die schliesslich gleichsam beiläufige Integration eines Lerngegenstandes in die eigene Struktur, ins Leben, eben.

  4. + -> respektiert die Differenz zwischen mentalen Initialerfahrungen und emotionalen; verweist auf den Umstand, dass sogar mentale Sprünge strukturelles Lernen auslösen können; allerdings lediglich in Form der Bereitschaft, sich dem wirklich Neuen nun mittels tiefen Erfahrungen effektiv zu öffnen.

Damit komme ich zu einer typischen, simplen Tatsache, die sich unter vielen anderen sowie vielem anderem in meinem Leben abspielt, das durch und durch von meinem eigenen NormalProjekt, auf Basis der gleichsam täglichen AtemBombe, geprägt ist.
Mein Kiefer, dessen Bewegung ich, als Inhaber eines leichten Fluchtkinns, hier mehrfach beschrieben habe, hat sich, parallel zu andern strukturellen Körperprozessen (va Augen und auf die Zähne beissen), ganz allmählich nach unten gelöst und sich gleichzeitig nach vorn geschoben. Während ich  in der V-Phase entdeckte, das da ‘etwas geht’, erlebte ich in der A-Phase immer wieder, wie mein Kiefer sich automatisch nach unten-vorn bewegte, bzw – halbautomatisch – bewegen wollte. Vorerst allerdings bloss ab und zu; dann allmählich häufiger. Irgendwann habe ich hier berichtet, dass ich sogar ab und zu mit entspanntem Kiefer erwachte. Ein tolles Zeichen, dafür, dass da in meiner Struktur völlig autonom was geht. Und jetzt? Ja, und jetzt? Nun ist mein Kiefer stets und ganz selbstverständlich unten-vorn. Cool. Und (leider nicht ganz) parallel hat sich mein Auf-die-Zähne-Beissen auf vielleicht 20% des vormaligen reduziert; also typische A-Phase. Gleichzeitig – und das gehört diesbezüglich zum Schönsten – werde ich mir als Mann, der oft und gern ganz körperlich unterwegs ist – richtig Mann also – bereits häufig bewusst, wie ich zB eine handwerkliche Aktion mit roher, oft gänzlich unnötiger, wenn nicht gar ineffizienter Kraft, inklusive Zähnebeissen und Arschanspannen ausführe – das Ganze nun immerhin mit entspanntem Kiefer. Heisst, mein Inneres ist unterwegs und macht mich regelmässig auf diesen Unsinn aufmerksam; worauf ich mich sofort entspannen kann – auch ein gutes, sicheres Zeichen … bis zum nächsten Mal. Letzteres Beispiel gehört gemäss VAT-Label zur frühen A-Phase.

Oben habe ich von einer ‘typischen, simplen Tatsache‘ gesprochen. Typisch ist daran, dass es sich dabei um quasi unauffällige, für Aussenstehende oft eher unspektakuläre Änderungen handelt, die jedoch eindeutig postprimäre invdividuelle Strukturmerkmale betreffen. Was wiederum heisst, durch nichts und niemand – ausser Operationen (haha) – zu ändern sind; höchstens in Form von Illusionen, zB geboren aus Training oder Behandlung mit irgendeiner Sparte/Methode. Glaub mir, ich weiss, wovon ich rede. Ich habe mittlerweile 50 Jahre Erfahrung mit Krafttraining. Strukturelle Bewegung bezüglich meiner persönlichen Körperstruktur im Muskelbereich erfahre ich jedoch erst seit rund zwei Jahren (hier auch schon beschrieben). Schluss: Der alte Sack ist nun kräftiger und bedeutend aufrechter, heisst ‘wohl-gestalteter‘, denn je.

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