Eiszeit

von 2b am 9. April 2012

Heut ist es schweinekalt – Osterwetter. Gestern hat es bei uns geschneit. Da liegt die Schilderung dieser Tour bereits wieder etwas näher. Aber noch vor ein paar Tagen war es schier unvorstellbar, dass diese Wanderung – es ist eher ein Spaziergang – bloss wenige Wochen zurückliegt.
Also, nochmals hineintauchen und geniessen! Und den entsprechenden Termin nächsten Winter keinesfalls verpassen!

Taminaschlucht und Rheinfall in einem Tag

Ein einmaliges Erlebnis, von Bad Ragaz in die Taminaschlucht hineinzuwandern.

Willkommen in der Eiszeit!

Der Weg ist offiziell gesperrt, was garantiert, dass sich die Anzahl der BesucherInnen in Grenzen hält. Gleich beim Eingang – gutes Schuhwerk an den Füssen und überrascht vom wenigen Schnee auf dem Strässchen – die letzte künstliche Stufe des Taminabaches: ca. 7 Meter hoch und vollständig vereist; ein grandioser Anblick.

Taminabach, letzte Stufe

Zu zwei Eiskletterern sage ich im Vorbeigehen, dies wäre ein gutes Übungsfeld. „Wir brauchen keine Übung mehr,“ meint die junge Frau lächelnd im Vorbeihuschen. Und schon folgen die fantastischen Eisfälle Schlag auf Schlag. In zahlreichen Farben schimmern die teils mächtigen, teils filigranen Gebilde, die sich beidseits die beinahe senkrechten, zT überhängenden Schluchtwände emporziehen, bzw korrekter von diesen herunterhängen.

         

Der Weg ist angenehm. Aufpassen müssen wir nur, dass wir auf der zT vereisten Unterlage nicht ins Rutschen geraten.

Überall stehen, hängen, fliessen Eiskaskaden. Dazu der verschneite Wald, der beinahe zugefrorene Bach.

         

Wir dringen tiefer und tiefer ein ins Zauberland.

    

Da und dort  entdecken wir Eiskletterer, die sich an den Wasserfällen hochpickeln. Zum Teil ein gewagtes Unterfangen. Hängen doch riesige Eisvorhänge frei von überhängenden Dächern herunter. Sie gilt es jeweils sorgfältig zu prüfen, ob sie der Belastung standhalten werden. Denn beim Eisklettern sind die Sicherungen so ein Sache. Wenn der ganze Vorhang fällt, fällt die ganze Vorstellung förmlich ins (eisbedeckte) Wasser.

         

Unterwegs treffen wir auf eine Quelle, die sich bei der frostigen Kälte der letzten Wochen in einen mächtigen Eispanzer verwandelt hat, überzogen von tausenden kleiner Eiszapfen. Die bereits steigenden Temperaturen führen dazu, dass Wasser über den Panzer rinnt und tausendfach von den Zapfen und Zäpfchen tropft, während darunter aus einem Loch die Quelle gurgelt.

         

Schliesslich wird der Weg vom Kegel einer Eislawine versperrt.

         

Es wäre gut möglich, bei genügend Sorgfalt und Geschick, darüber hinwegzusteigen.
Doch wir sind satt und beschliessen, auf das Wagnis zu verzichten und umzukehren. Wer mich kennt, weiss: für mich keine einfache Entscheidung.
Wieder beim Talausgang angekommen, entdecken wir, dass der Riesenvorhang an der letzten Bachstufe mittlerweile in der Mitte in sich zusammengebrochen ist.

Das wäre ein gefährliches Übungsfeld geworden.
Wer das Wunder der Taminaschlucht also noch schauen will, muss sich sputen – oder auf die nächste längere Frostperiode warten.

Nach zwei Stunden stehen wir wieder am Bahnhof Bad Ragaz und steigen in den Zug Richtung Schloss Laufen.
Zugegeben, ein merkwürdiger Reiseplan. Doch ist es erst früher Nachmittag. Statt heimzukehren bringen uns die ÖV zuverlässig in die Nähe eines gänzlich anderen und doch im Wesen ähnlichen Spektakels: zum Rheinfall bei Schaffhausen.

Es ist eine tolle, winzige Bahnstation, direkt am steilen Hang zwischen Schloss Laufen und dem Ausfluss des Rheinfalls gelegen. Danach verschwindet der Zug in einem kurzen Tunnel, bevor er eine Brücke über den Rhein quert, unmittelbar bevor dieser abstürzt.
Von der Station führt der Weg, nach einem Drehkreuz, das markiert, dass die Besichtigung kostet, direkt zum Rheinfall hinunter. Die ganze Anlage wurde vor wenigen Jahren hervorragend angelegt, mit einem gläsernen, spektakulären Doppellift versehen und oben mit einem riesigen Infozentrum ergänzt. Das Schloss mit Restaurant wurde renoviert und kulinarisch in eine neue Liga gehoben. Leider ist das Restaurant heute Dienstag geschlossen. Wir wandern mit leeren Bäuchen Richtung trautes, warmes Heim.

Vorerst aber gilt es, dem eisstarrenden Wasserfall einen Besuch abzustatten. Es hat kaum Leute. Also geniessen wir die eindrückliche Gewalt, die, zusammen mit der anhaltenden Kälte, zu grotesken Gebilden führt, beinahe in stiller Zweisamkeit.
Still? Bewahre! Der Rhein schäumt und donnert, trotz Eisumrahmungen, ungebrochen in die Tiefe.

     

Es ist kurz nach fünf und für eine Weile kein Zug, kein Bus in Sicht. Also beschliessen wir, statt in der ungastlichen Kälte zu warten, hinunterzusteigen zur Eisenbahnbrücke und über diese zum Bahnhof Neuhausen zu wandern, von wo uns der Zug Richtung Zuhause bringt. Unterwegs kaufen wir, kurz vor Ladenschluss, noch etwas für unser Nachtessen ein. So beschliessen wir den grandiosen Tag schliesslich tatsächlich in stiller Zweisamkeit: zuhause.

Keine Kommentare »

Noch keine Kommentare.

Hinterlasse einen Kommentar