Pause! – für die Südschneisler

von 2b am 26. Oktober 2006

Soll ich oder soll ich nicht?
Soll ich den Südschneislern die Leviten lesen oder soll ich den Frieden meines Blögleins weiter geniessen?
Soll ja fast gefährlich sein.

Nein, nein, nicht schon wieder Blogpause. Nur ein bisschen Pause vom Geldforum; die Fragen können sich ja weiter ansammeln. Oder soll ich doch da weiterfahren, wo wir waren?
Ich kann sie nämlich gut verstehen, die Südschneisler. Das hätte gerade noch gefehlt, dass wir uns an den Fluglärm gewöhnen.

GEWÖHNT EUCH NICHT AN DEN FLUGLÄRM! NIEMALS!
ER IST EIN SKANDAL DER POLITIK, DER AIRLINES UND DER FLUGZEUGINDUSTRIE. EIN SKANDAL, DER SCHON LANGE DAUERT UND VERSTECKT WIRD HINTER ABLENKUNGSMANÖVERN WIE FLUGSCHNEISEN, ÜBERFLUGRECHTEN USW, DIE UNS MIT UNSEREM EGOISMUS KÖDERN.
UND ER IST EIN SKANDAL NICHT ZULETZT VON UNS ALLEN, DIE WIR AUF DIE MANÖVER REINFALLEN, DAS PROBLEM MÖGLICHST DEN ANDERN ZUSCHIEBEN, STATT ENDLICH DAS EINZIG RICHTIGE THEMA AUF DEN TISCH ZU KNALLEN.

Wer jeden Morgen um sechs aus den Federn gehoben wird, bei dem oder der werden ganz andere Saiten geschwungen als demokratische Gedanken. Wenn bei uns im Dorf – neben dem Fluglärm, der hier im wörtlichen Sinn noch zur eher gehobenen Klasse gehört (etwa 1000 Meter), wirkt bei uns ein Gerüstemulti. Keine Opernaufführung, kein Rockkonzert, kein höchstes Hochhaus der Schweiz, das auf seine Affiche verzichten will. Und ich sage euch, liebe Südschneisler: Jeden Morgen ab fünf werfen die ihre Gerüste auf die Lastwagen. Hammermässig. Natürlich existiert keine Ruhezeitenverordnung, wie ihr es in städtischer Agglo geniesst. Der Thurgau bzw die SVP hat da aus Versehen noch nicht dran gedacht. Der Nüssli ist natürlich auch bei der oder für die SVP – wenn er grad mal aus Südamerika anreist, wo auf dem Land die holy silence regiert. ‚Spreng den Laden‘ – tönt es da dann frühmorgens ganz unschick aus mir.

Nein, Schlafentzug weckt ganz andere Kräfte in uns. Und die Natur ist wahrlich nicht demokratisch. Demokratie ist eine Kopfgeburt, die nur in ausgeschlafenem Zustand verdaulich ist. Was seid ihr, Herr und Frau Tagesanzeiger, doch für naive Ignroanten, wenn ihr da ziemlich harsch und arrogant an demokratische Spielregeln appelliert. Seid ihr noch nie am Lärm erwacht – und sei es nur der verdammte Nachbarshund, der bellt? Habt ihr wirklich eure Existenz unter Kopf aufgegeben? Das glaube ich nicht wirklich. Aber so zeitungsmässig aufbegehren und den andern auf dem Stuhl des heiligen Rechthabens die Knöpfe eintun, das ist natürlich kundenfreundlich.

DIES IST KEIN SPIEL! Mit Spielregeln könnt ihr im Parlament kommen. Aber was sage ich da; nicht mal unsere höchste Landesregierung schert sich um Spielregeln; oder höchstens, indem sie diese durch explizites Proformaverhalten lächerlich macht. Grüsst mir Herrn Bundesrat Blocher! Und sorgt für seine Gipfeli zum Zmorge; jetzt wo seine zarte Frau wieder in Herrliberg haust, fern ihrer geliebten Türkei. Wie wär’s zwischendurch mit einem Billigangebotkurztripp, Frau Blocher, zur Schonung der Haushaltkasse?

ABER ES IST AUCH KEIN KRIEG. Ihr kotzt euch auf euren Foren und Websites aus (ich werde mir keine davon anschauen; das tue ich mir nicht an). Kotzt eure schlechteste Version in den Himmel. Ok, ich weiss, woher sie kommt. Und ich kenne sie nur zu gut. Aber was tut ihr? Wo ist euer politisches Schaffen? Ihr kämpft gegen Windmühlen, wo alles nichts nützt; und das gefällt euch natürlich, denn Ihr könnt so frischfröhlich die Sau rauslassen.
Aber euch ist es egal, wenn die andern den Fluglärm haben, nicht? War es doch immer. Vorher auch schon. Wenn nur ihr ihn wieder los seid. Wenn das wahr ist, dann seid ihr verdammte Egoisten.

Ich sage mal, wie ich das sehe mit dieser Sache.
Die Sache mit den Überflügen ist nur Schaumschlägerei. Und ihr seid dem Poilitikerspiel aufgehockt. Ziemlich dumm. Statt, dass die nämlich etwas tun, das Wirkung zeigt – Wirkung für uns alle (sogar für sie selbst) – verschieben sie den Lärm von A nach B und von dort nach C und wieder nach A.
Weil sie keinen Arsch haben. Weil sie mit den Herstellern dieser Lärmmaschinen über drei Ecken verbandelt sind.

Das Thema ist nämlich, DASS FLUGZEUGE ÜBERHAUPT TÖNEN.

A propos tönen. So etwa kann das tönen:

„Liebe Freunde von Airbus, Boeing und Konsorten. Ihr habt jetzt lange genug auf Kosten unserer verdienten Ruhe gebastelt. Ihr habt nun, ab 26. Oktober 2006, 3 Jahre Zeit, um ein ziemlich lautloses Flugzeug zu entwickeln (das ist nicht zu kurz; das Know-how habt ihr schon lange!). 5 Jahre später, also ab 26. Oktober 2014, könnt ihr den alten Schrott noch auf den Flughäfen aller von Verbrechern regierten Länder dieser Welt und tausendmal in Biederstadt parkieren, wo die sich über jedes Flugzeug freuen, das über sie hinwegdonnert (nur damit ja kein Konfliktchen mit den geheiligten Autoritäten aufkommt). Sämtliche andern Flughäfen dieser Welt sind ab da für euren Schrott gesperrt. Unseren Airlines werden wir selbst die Knöpfe eintun.“

Ihr Südschneisler habt doch bestimmt jede Menge einflussreicher Köpfe unter euch. Sagt denen, sie sollen, statt sich in den Foren auszukotzen, am Morgen – wieder mit Anzug und Krawatte versehen – da einwirken, wo sie auch ein persönliches Risiko eingehen.
Aber mit eurem verdammten Egoismus, so wie das rüberkommt, werdet ihr nie dort landen, wo einfache, aber für uns alle wirksame Lösungen winken.
Sei’s drum.

Euer 2BD

PS: Was ich tue (ausser mich – aber immerhin tausendmal gepflegter und niemals andere beschimpfend oder herabmindernd – auszukotzen)? Ich wirke jeden Tag entschieden auf Leute ein, ihre verdammte Verantwortung für wirksame Lösungen, die allen nützen und eine Perspektive haben, endlich themselves zu übernehmen. Manchmal sind das PolitikerInnen (auch SVP-PolitikerInnen sind mir nicht fremd – man muss unterscheiden können zwischen den Menschen und ihrem Wirken; und die begreifen das erstaunlich rasch), manchmal Geschäftsleute, manchmal von denen, die nie in der Bilanz und auch in keiner andern Zeitung erscheinen – bis sie eben endlich selber etwas Grosses, Nützliches tun.

Keine Kommentare »

Noch keine Kommentare.

Hinterlasse einen Kommentar